Was Glas, Stein und Brennnesseln gemeinsam haben

Was macht einen Entwurf zum Klassiker? Vielleicht ist es nicht allein seine Form. Denn selbst die beste Idee muss am Ende zu etwas werden, das wir sehen, berühren und benutzen können. Entscheidend ist womöglich der Moment, in dem Idee, Material und das Wissen um seine Verarbeitung zusammenfinden.

Bei ClassiCon lässt sich dieses Zusammenspiel über fast ein Jahrhundert Designgeschichte verfolgen: vom verchromten Stahlrohr und Glas der 1920er-Jahre bis zu mundgeblasenem Glas und zeitgenössischen Materialien und Techniken.

Kaum eine Marke verbindet Designgeschichte und Gegenwart so selbstverständlich. Ikonen des 20. Jahrhunderts stehen hier neben Entwürfen heutiger Designer – und damit vielleicht neben den Klassikern von morgen. Was sie verbindet, sind gute Ideen, besondere Materialien und der Anspruch, Dinge zu schaffen, die bleiben.

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1927 entwarf Eileen Gray den Adjustable Table E 1027 für ihr legendäres Haus E 1027Maison en bord de mer an der Côte d’Azur, das sie für sich und ihren damaligen Partner, den Architekten und Herausgeber Jean Badovici, plante. E steht für Eileen, 10 für Jean (J ist der zehnte Buchstabe), 2 für Badovici und 7 für Gray.

Verchromtes Stahlrohr, eine kreisrunde Glasplatte, höhenverstellbar und von radikaler Klarheit. Fast ein Jahrhundert später wirkt der Tisch noch immer erstaunlich gegenwärtig.

2012 stellt Sebastian Herkner für ClassiCon eine vertraute Materialordnung buchstäblich auf den Kopf: Nicht Metall trägt Glas, sondern Glas trägt Metall. Er schafft mit dem Bell Side Table einen ziemlich guten Kandidaten für einen Klassiker.

Der glockenförmige Fuß wird traditionell mundgeblasen. Kleine Blasen, Schlieren und Unterschiede in der Glasstärke bleiben sichtbar – kein Tisch gleicht exakt dem anderen. Darüber sitzt die schwere Tischplatte aus Metall. Fragil und massiv, transparent und schwer, handwerklich individuell und formal präzise.

Mit dem neuen Bell Dining Table hat Herkner die Idee noch einmal weitergedacht – und ausgerechnet jenes Material verändert, das Bell so unverwechselbar gemacht hat: Der gläserne Fuß wird zu Marmor.

Die Glockenform bleibt, doch aus Transparenz wird Masse, aus Leichtigkeit eine fast architektonische Präsenz. Und die Maserung des Natursteins macht wiederum jedes Stück zum Unikat. Vielleicht gehört auch das zu einem guten Entwurf: dass seine Idee stark genug ist, um verändert werden zu können.

Noch ganz am Anfang einer solchen Geschichte steht das Sofa Soft Stone von Gabriel Tan – eine der jüngsten Neuheiten von ClassiCon.

Inspiriert von massiven Steinquadern im Parque da Cidade in Porto, kehrt Tan deren skulpturale Wirkung ins Gegenteil: Stein wird weich. Elf asymmetrische Polstermodule lassen sich zu immer neuen Landschaften zusammensetzen, die sich je nach Raum und Perspektive verändern.

Aus unserer Sicht hat Soft Stone durchaus das Zeug zum Klassiker. Ob es tatsächlich einer wird, kann natürlich erst die Zeit zeigen. Eileen Grays Adjustable Table E 1027 hat diese Bewährungsprobe nach fast hundert Jahren längst bestanden – Soft Stone steht gerade erst am Anfang.

Eileen Gray entwarf nicht nur Möbel und Architektur, sondern auch Teppiche. Einige ihrer historischen Entwürfe – darunter La Lune, De Stijl und L’Art Noir – hat ClassiCon wieder aufgelegt. Gefertigt werden sie gemeinsam mit der Brand M2Rugs.

Das 2021 von Marcel Müller gegründete Hamburger Label versteht den Teppich nicht als dekoratives Beiwerk. Ein Teppich sei „art and design to use“. Anders als ein Bild dürfe – und solle – man darüber laufen, darauf liegen, ihn berühren. M2Rugs spricht von „islands of tranquility“, die zugleich starke, farbige Statements im Raum sein können.

Für M2Rugs hat Sebastian Herkner die Kollektionen TRAILS, VIEWS und SUSTAINETTLE entwickelt.

Bei TRAILS werden intuitive Schraffuren auf Papier durch unterschiedliche Florhöhen und Materialien wie Mohair, tibetische Hochlandwolle, Seide und Brennnessel zu einer fühlbaren Landschaft, die auf Licht und Berührung reagiert. Bei VIEWS verändert ein hoher Seidenanteil die Oberfläche je nach Licht und Blickrichtung.

Bei SUSTAINETTLE wird das Material selbst zum Protagonisten.

Die Kollektion besteht vollständig aus Fasern der Himalaya-Brennnessel. Die Pflanze wächst wild in den Wäldern Nepals und kommt ohne eigens bewirtschaftete Anbauflächen oder zusätzliche Bewässerung aus. Aus einem Gewächs, das wohl nur wenige mit hochwertigem Interieur verbinden würden, entsteht so ein überraschend sinnliches Material.

Herkner setzt dabei auf Struktur, ihre Zeichnung entsteht allein durch unterschiedliche Florhöhen. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall treten die Reliefs hervor oder ziehen sich zurück.

Eileen Gray macht aus Stahlrohr und Glas einen Tisch, der nach fast hundert Jahren nichts von seiner Eigenständigkeit verloren hat. Sebastian Herkner lässt einen schweren Tischkörper auf mundgeblasenem Glas stehen – und übersetzt Handzeichnungen in Himalaya-Brennnessel. Gabriel Tan macht aus Stein eine weiche Sofalandschaft.

Gute Gestaltung beginnt manchmal genau dort, wo ein Material etwas anderes darf, als man von ihm erwartet. Stoff für Klassiker gibt es also genug.

Und davon machen wir bei Der neue Beckmann nur zu gerne Gebrauch. Wir haben nicht nur Klassiker und zukünftige Klassiker parat, sondern kombinieren bei unseren Planungen auch Materialien mit großer Freude: Holz und Stein, Glas und Stoff, glatt und rau, leise und laut. Denn oft sind es gerade die unerwarteten Begegnungen, die einem Raum seinen ganz eigenen Charakter geben.

Am besten lässt sich das natürlich sehen, fühlen und ausprobieren.
Kommen Sie vorbei – wir freuen uns auf Sie und Ihre Räume.